Zeitimpulse für eine langsamere Zeit

Zeitimpulse für eine langsamere Zeit

Wer kennt nicht die täglichen Fragen und Aussagen:
„Was, so schnell ist die Zeit vergangen?“, „Ich hab überhaupt keine Zeit mehr!“, oder der oft unterdrückte Hilfeschrei:
„Ich brauch mehr Zeit für mich!“.

Wir packen alles in die Zeit hinein, vieles geht doppelt bis hundertfach schneller als früher. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wird die Zeitknappheit und Zeitbedrücktheit vieler Menschen immer größer.

Verbunden damit auch immer mehr Menschen, die auf der Suche nach der Langsamkeit sind und die Sehnsucht nach Langsamkeit artikulieren.

Es geht um das langsame Langsamwerden und nicht um das schnelle Entschleunigen! Aus Gewohnheit treten wir nach dem Entschleunigen wieder auf das Gaspedal.

Der Trend der Entschleunigungsbewegung hat einen guten Versuch dargestellt, aber letztendlich ist es mehr bei der Begrifflichkeit geblieben. Beschleunigen und Entschleunigen liegen knapp beisammen und deshalb ist man leicht verführt, in alte Gewohnheiten zurückzufallen!

Zum echten Langsamsein gehören neben der notwendigen Konsequenz auch Mut und Selbstliebe. Rund um uns ist alles in Bewegung, trachten wir doch nach mehr Eigenantrieb, der uns aufnehmen lässt, als von der Getriebenheit mitgetrieben zu werden.

Wir sind überall mit der Schnelligkeit in dieser rasanten Zeit konfrontiert. Wie schnell werde ich fertig? Wie schnell komme ich ans Ziel? Wie kann ich schnell viel verdienen?

Das schnelle Tun lässt uns mit der Zeit das Langsame vergessen.
Wir gewöhnen uns ans schnelle Entscheiden, schnelle Essen, schnell wohinfahren oder schnell noch einen Anruf erledigen.

Es ist schick und teilweise wird es auch erwartet, dass wir in unserer „Alles-zeitgleich-Gesellschaft“ die Gleichzeitigkeit immer mehr vorantreiben. Während der Autofahrt Termine ausmachen, beim Kochen fernsehen oder beim Entspannen im Internet surfen. Sogar das gute alte stille Örtchen wird zur Arbeitszeiterweiterung genützt. Die mobilen Geräte lassen auch dort noch schnell ein paar Mails beantworten. Auf Knopfdruck verschicken. Zum Runterspülen!

Wir sind aber keine Maschinen, die mit permanenter Höchstleistung unterwegs sein können. Der Zeitdruck, die Zeitfülle, die Zeitknappheit lassen einerseits die Langsamkeit nicht mehr erahnen und unmerklich sterben wichtige Lebenselixiere und anderseits explodiert Aufgestautes.

Alles muss gleich und sofort passieren. Wir reden nicht von vorgestern oder übermorgen, sondern von jetzt. Dabei erleben wir aber nicht den Augenblick, den Moment, das Sein, das Spüren, sondern eben das „Jetzt-und-auf-der-Stelle“- erledigen-Müssen von Pflichten und Aufgaben.

Jeder von uns hat seine Zeiterfahrungen, Zeiterlebnisse und persönlichen Zeitansätze. Es geht in erster Linie um die Lebenszeit, um die Zeit, wie man lebt – nicht mehr und nicht weniger! Es geht um die Zeit für die Zeit!